Ferngesteuert in die Zukunft




Den Begriff “Space Center” bringt man sicherlich nur schwerlich mit Sunnmøre in Verbindung. Man denkt wohl eher an das Kennedy Space Center in Cape Canaveral/Florida, dem Weltraumbahnhof der amerikanischen NASA. Vielleicht denkt man an Astronauten, Raketenstarts oder Raumstationen. Vielleicht auch an Satelliten oder an die Mondlandung.

Einen Zusammenhang mit der Sunnmøre-Region, mit Ålesund oder gar mit dem Breisund herzustellen, erscheint wie die quadratur des Kreises. Selbst die Erweiterung des Begriffes auf «Ocean Space Center» hilft da nur wenig weiter. Was also steckt dahinter, wenn sich die NTNU in Ålesund stürmisch die Einrichtung eines solchen “Ocean Space Centers” bejubelt?

Beginnen wir von vorne: Die NTNU in Ålesund, die Abkürzung steht für «Norges teknisk-naturvitenskapelige Universitet», entstand durch die Fusion der technischen Hochschulen in Trondheim, Ålesund und Gjøvik und ist eine der wichtigsten technischen Hochschulen Norwegens. Und auch wenn es eine Reihe nichttechnischer Fakultäten gibt, so liegt der Fokus doch eindeutig auf dem technisch-naturwissenschaftlichen Sektor.

          NTNU Campus Ålesund

Und dabei spielt das Institut für maritime Operationen eine hervorgehobene Rolle. Denn durch die direkte Nachbarschaft zum Norsk Maritimt Kompetansesenter und seinen namhaften Mietern (u. a. Rolls-Royce, Aker Solutions, Sintef u. v. m) hat man hier eine perfekte Symbiose zwischen Wirtschaft und Forschung im Bereich maritimer Forschung etabliert. Und was könnte für die Zukunft eines Landes, das eine Küstenlinie von insgesamt mehr als 58.000 Kilometer aufweist, wichtiger sein, als das Meer?

Norsk Maritimt Kompetansesenter (NMK)

Bekanntermaßen ist die Nordsee ja heute schon die wichtigste Säule der norwegischen Wirtschaft. Die Fischerei spielte hier schon immer eine zentrale Rolle. Zu Zeiten, als Norwegen das Armenhaus Europas war, war sie es, die das Land ernährte. Dann wurden Öl und das Gas am norwegischen Küstensockel gefunden und ließen Norwegen reich warden. Aber auch abhängig und daher wurde in den letzten Jahren daran gearbeitet, diese einseitige Ausrichtung der Wirtschaft auf fossile Energieträger zu reduzieren. Fischfang (und Fischzucht) wurden “wiederentdeckt” und der Spezialschiffbau spielt wieder eine wichtigere Rolle.

Breisundet, Lage

Und beim Seetransport liegt die Zukunft – ähnlich wie im Straßenverkehr und in der Luftfahrt – anscheinend in führerlosen bzw. ferngesteuerten Fahrzeugen. Auch in moderneren und umweltschonenderen Antriebssystemen wird noch viel Potential gesehen. Und genau dort spielt die NTNU und die Regionen Sunnmøre und Trøndelag eine zentrale Rolle. Das Fischerei- und Wirtschaftsministerium hat deshalb beschlossen, die Fjordregionen um Trondheim und Ålesund zu Gebieten zur Erprobung ferngesteuerter Schiffe zu erklären. Gerade der Breisund und der Storfjord bieten dabei weltweit einzigartige Bedingungen, so die verantwortlichen Forscher vom «Ocean Space Center». Mit dem Fischreichtum, dem Zugang zum Fjordsystem inklusive Tiefseeströmungen, Tourismus, und Flachwasserzonen auf engstem Raum bietet gerade der Breisund ein Weltmeer in Miniaturausgabe.

Mit 6 Milliarden norwegische Kronen, also etwa 630 Millionen Euro, unterstützt der Staat die Grundlagenforschung in dieser Sache. Gut angelegtes Geld, glauben die Forscher und die Politiker, denn es geht auch um die Zeit nach dem Öl und damit um die Sicherung des norwegischen Wohlfahrtsstaates.

                             Breisundet

Schon heute werden zahlreiche neue Schiffe im Breisund getestet, bevor sie auf die Weltmeere geschickt werden. Man darf gespannt sein, wenn die ersten unbemannten Fahrzeuge, die von einem Kontrollzentrum irgendwo auf dem Festland gesteuert, hier ihre Bahnen ziehen.

Dirk, 14.12.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten