Einem geschenkten Gaul…

Wer kennt sie nicht, diese Redensart hinsichtlich geschenkter Gegenstände. Und wie auch überall sonst erfreuen sich auch Norweger über Schnäppchen jeder Art. Und die Sunnmøringer ganz besonders, von denen es ab und an heisst, sie seien die Schotten Norwegens.

Erstaunlich ist vor allem, was hier so alles verschenkt wird. Neben einzelnen Möbelstücken können das mitunter auch mal komplette Küchen sein. Kinderbekleidung sowieso, aber auch Kinderwägen, Sportgeräte und – ja – ab und zu sogar ganze Häuser. «Gute Idee», so dachte sich scheinbar auch die Flakk-Gruppe, einem wichtigen regionalen Mischkonzern, der Standbeine sowohl im Tourismus, im Logistikbereich als auch in der verarbeitenden Industrie hat. Auch einige Hotels gehören zum Konzernverbund, darunter das Brosundhotel in Ålesund oder das Basecamp Hotel in Hellesylt.

Ebenfalls in Hellesylt besitzt der Flakk Konzern auch noch das Grand Hotel, das sich aber in einem ziemlich renovierungsbedürftigen Zustand befindet. Allerdings gilt Hellesylt – zurecht – als ausserordentlich schönes Fleckchen Erde, was im mit landschaftlichen Highlights gespickten Fjordnorwegen schon aussergewöhnlich ist. Direkt gegenüber der Einfahrt zum Geirangerfjord gelegen bietet Hellesylt eine breite Palette touristischer Aktivitäten. Von Fjordangeln, unzähligen Wanderrouten aller Schwierigkeitsgrade bis hin zu Kanutouren oder herausfordernden Radtouren (Rennrad- oder Mountainbike) reichen die Alternativen. Mittlerweile laufen auch zahlreiche Kreuzfahrtschiffe Hellesylt an. Genau diese phantastische Lage von Hellesylt will die Flakk Gruppe mit ihren Tourismusaktivitäten nutzen und ausbauen.

Das Grand Hotel Hellesylt aber kann dazu nicht beitragen. Zu problematisch scheint die Bausubstanz des Hauptgebäudes zu sein. Der Eigentümer hat daher beschlossen, ein neues Hotelgebäude an gleicher Stelle zu errichten. Und er verschenkt dazu das bestehende Grand Hotel in Hellesylt. Sicherlich nicht ganz uneigennützig, denn es geht natürlich darum, die Abrisskosten einzusparen. Der Beschenkte muss also den Umzug des Gebäudes organisieren, was schon aufgrund des Grundrisses ausserordentlich problematisch werden dürfte. Von den Kosten sicher ganz zu schweigen. Insofern ist nicht davon auszugehen, dass sich irgendjemand der Verlockung hingibt und sich dem Hotelgebäude annimmt.

In der Konsequenz heisst das: Abriss. Auch wenn der Öffentlichkeit noch keine Pläne für den Hotelneubau präsentiert wurde, hegt sich allerdings Widerstand gegen den Abriss, denn die Architektur des aus dem späten 18. Jahrhundert erbauten Hauptgebäudes ist prägend für das Ortsbild Hellesylts und man kann natürlich davon ausgehen, dass ein Neubau einen gänzlich anderen Schwerpunkt in der Optik des kleinen Dorfes (ca. 250 Einwohner) setzen wird. Für den Tourismus im inneren Fjordland allerdings, davon kann man ausgehen, wird es ein Meilenstein sein.




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