Geiranger im Winter: Ein einsames Vergnügen

 «Wie sieht es hier eigentlich im Winter aus,» ist einer der häufigeren Fragen, die ich als Tourguide immer wieder von Touristen höre, wenn ich in Geiranger bin. Nun, die Tage sind kurz und es gibt lange Schlechtwetterperioden. Aber dann gibt es auch die malerischen Wintertage, die so schön sind, dass man einfach raus muss. Ein wirklich schönes Ziel für einen Tagesausflug ist dann Geiranger. Das kleine Dorf am Ende des gleichnamigen Fjords ist im Sommer ja bekannterweise der Touristenmagnet der ganzen Region. Fast 800.000 Besucher strömen in der warmen Jahreszeit duch die wenigen Gassen Geirangers oder fahren mit Bussen zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten in der nahen Umgebung.

Ganz anders sieht es im Winter aus. Keine Kreuzfahrtschiffe ankern dann im Geirangerfjord (mehr als 200 kommen zwischen Mai und September) und auch die Schiffe der Hurtigruten lassen im Winter den Geirangerfjord aus. Die 250 Einwohner sind dann unter sich und die etwa 30 Schüler, die sich auf die 10 Klassen der örtlichen Schule verteilen, brauchen auf ihrem Schulweg kaum auf Karawanen von Reisebussen und Wohnmobilen Rücksicht zu nehmen.

So machten wir uns also bei wunderschönem Sonnenschein einen Sonntagsausflug nach Geiranger. Schon der Weg am Storfjord entlang erweckte Vorfreude, von der Fähre Linge-Eidsdal aus konnten wir sogar ein paar Schweinswale beobachten. Dann ging es den Berg hinauf zum Eidsvatnet, wo dann mehr und mehr Schnee auf der Strasse lag. Hinter dem Oppskredstunnel wurde es sogar sehr eisig. Obwohl der nun folgende Ørnevegen ganzjährig geöffnet ist, war es dennoch fraglich, ob wir die etwa 12%ige Gefällstrecke wirklkich sicher befahrbar war.

Geiranger Kreuzfahrtanleger

Wenigstens bis zur berühmten Ørnesvingen wollten wir es aber in jedem Fall versuchen. Da die verschneite Strasse jedoch sehr griffig befahrbar war, riskierten wir die „Abfahrt“ hinunter nach Geiranger.

Wir erlebten ein völlig verschlafenes und menschenleeres Geiranger. Das Hotell Geiranger war geschlossen und auch unser geliebtes Cafe in der Geiranger Bakeri hat im Winter geschlossen. Die Einheischen nahmen anscheinend gerade am Gottesdienst teil, dess es war wirklich absolut keine Menschenseele sichtbar. Am Parkplatz beim Freizeitboothafen holten wir unseren Picknickkorb heraus und genossen den Fjordblick und die fast surreale Stille.

Wohlwissend, dass die RV63 spätestens oberhalb des Dålen Campingplatzes im Winter gesperrt ist, wollten wir herausfinden, bis wie weit hinauf wir es schaffen. Dann jedoch beschlossen wir uns lieber für einen Cappuccino im Hotell Union, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten.

Geiranger im Winter, ein einsames Vergnügen

Dirk, 17.12.2017

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