Der Geirangerfjord – Ein Paradies auf Zeit?

Wer hat diese Szenerie nicht schon mal auf Bildern von Reiseführen gesehen: Hoch oben an der Adlerkehre oberhalb von Geiranger blickt man in den tief eingeschnittenen Fjord hinunter. Im Frühling ist es am schönsten: Ganz oben der blaue Himmel. Auf halber Höhe die noch schneebedeckten Berge des Tafjordfjellas und unten, gespeist von Wasserfällen, der grünlich schimmernde Fjord, an dessen hinterstem Zipfel das kleine Dorf Geiranger liegt. 200 Menschen leben hier. Eine Idylle, selbst wenn im Sommer tausende Touristen täglich durch den Ort strömen.

Und dann gibt es da den Film The Wave – Die Todeswelle.

aus dem Film „Bølgen“

Er spielt in der Hauptsache in und um Geiranger und es geht um eine Tsunamiwelle, die das Dorf zerstört. Der Kinofilm – immerhin für die Oscarverleihung 2016 eingereicht – ist unter seinem Originaltitel «Bølgen» einer der erfolgreichsten norwegischen Filproduktionen. Und laut Chefgeologen Lars Blikra vom NVE (=Norges Vassdrags- og Energidirektorat) ist er sehr realistisch.

Denn das NVE beobachtet schon seit einigen Jahren – so wie im Film dargestellt – die Bergflanke Åkneset gegenüber der Einfahrt zum schmalen Geirangerfjord.

Quelle: NVE

Dort sind tatsächlich fast 90 Millionen Kubikmeter Fels in Bewegung geraten und drohen, in den Fjord abzurutschen. Die Folge wäre eine gewaltige Flutwelle, die zunächst das unmittelbar nebenan liegende Hellesylt treffen würde und wenig später auch Geiranger, Stranda, Valldal u. a. Orte. Die Experten der NVE errechneten, dass sich die Welle im schlimmsten Fall bis zu 80m hoch auftürmen könnte und sogar noch im gut 100 Kilometer entfernten Ålesund noch Schäden hervorrufen könnte.

Das NVE hat auf Åkneset zahlreiche Messpunkte installiert, deren Instrumente ihre Messdaten live weiterleiten. Derzeit bewegt sich die Bergflanke um etwa 15cm jährlich und wird vom Åkneset Beredskapssenter in Stranda aus streng überwacht. Schon seit geraumer Zeit hat man für die ganze Region Evakuierungspläne erarbeitet sowie Bauverbote in kritischen Regionen erlassen. Den Menschen, die in Geiranger, am Stor-, Synnylvs- und am Sunnfjord leben, macht das alles jedoch keine Angst. Sie fühlen sich durch das NVE gut informiert und gut instruiert.

KeinGrund also, den atemberaubenden Ausblick, den man an der Adlerkehre hat, nicht auch weiterhin geniessen zu können: Ganz oben der blaue Himmel. Auf halber Höhe die noch schneebedeckten Berge des Tafjordfjellas und unten, gespeist von Wasserfällen, der grünlich schimmernde Fjord, an dessen hinterstem Zipfel das kleine Dorf Geiranger liegt.

Der NDR hat 2014 einen kleinen Bericht zum Thema produziert (siehe Link unten):

Norwegen – Angst vor dem Tsunami (NDR)

 

Dirk, 19.08




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