Das blühende Leben

Tourziel: Frostadtinden in der Gemeinde Ålesund/Vestnes (807m. ü.d.M) ab/bis Parkplatz Reset

Länge total: 9,6km ab/bis Parkplatz Reset am Fylkesvegen FV147 etwa auf halber Strecke zwischen Vatne und Fiksdal

Parken: kostenloser Parkplatz Reset (Navigationscode:62°34’24.1″N 6°46’54.0″E)

Schwierigkeitsgrad: Mittel

Gehzeit: ca. 4-5 Stunden (Rundkurs)

Kurzbeschreibung: Wanderung mit tollem Panorama auf Storfjord, Küste und Gebirge. Alternativ kann man die Tour auch als Stichweg vom Parkplatz Høgsætra im Engesetdal

Tourbeschreibung: Irgendwie waren wir beide noch etwas schlapp, als wir nach etwa 40 Minuten Fahrzeit auf dem Parkplatz im Fiksdalen ankamen. Am Vortag hatten wir Schwerstarbeit im Garten geleistet und es war trotz der recht frühen Uhrzeit ungewöhnlich warm.

Wenn man mit über 50 Jahren morgens aufwacht und nichts tut weh, dann ist man tot”, sagte einst der ehemalige Fuβball-Nationaltrainer Erich Ribbeck. So gesehen schoβ mir beim schnüren der Wanderschuhe plötzlich das blühende Leben in Form eines veritablen Krampfes in den Oberschenkel. Und so hüpfte ich unter den belustigten Blicken meiner besseren Hälfte jaulend über den Parkplatz in der Hoffnung, dass der Schmerz schnell nachlässt. Das tat er dann auch schlieβlich und bei strahlendblauem Himmel konnte es dann auch endlich losgehen.

Blick auf den Melskarsvatnet und den Moldefjord
Engesetdalen
Ganz alleine waren wir nicht…

Es erwartete uns einen nicht ganz 10 Kilometer langen Rundkurs, den wir in Uhrzeigerrichtung absolvierten. Somit ging es vom Parkplatz «Reset» in östlicher Richtung in das Hochtal “Mellia”. Gerade der erste Teil der Wanderung war uns von der bereits an anderer Stelle im Blog beschriebenen Tour auf den Melen bekannt. Auch, dass das Hochtal ziemlich morastig ist, war uns noch hinreichend in Erinnerung geblieben. Selbst nach mehreren niederschlagsfreien Tagen muβte man in einigen Passagen schon aufpassen, damit der Pfad trockenen Fuβes absolviert werden konnte. Nach gut 600 Metern trafen wir dann auf ein kleines Rinnsal. «Storelva» heisst dieser Bach, übersetzt also «Grosser Fluss». Wer sich diesen Namen wohl ausgedacht hat? Der Wanderpfad jedenfalls verlief in kurzem Abstand parallel zum Bach bis hin zu einem kleinen Tümpel, den der «Grosse Fluss» durchflieβt. Hier muβten wir den Bach auch überqueren, was mit einem ausladenden Spreizschritt aber problemlos möglich ist. Auch nach dem namenlosen Tümpel war die Steigung nur sehr moderat. Anstrengend wurde es trotzdem, denn das Mellia-Tal ist derart vom Wind abgeschirmt, dass die warme Sommersonne leichtes Spiel hatte, die Temperaturen deutlich ansteigen zu lassen. Der gut erkennbare Pfad schwenkte nach etwa 2,7 Kilometer leichten Schwenk Richtung Südosten, um dann nach einem erneuten Kilometer ganz nach Süden zu drehen.

Der Varden etwas entfernt vom eigentlichen Gipfel

Den Gipfel hat man von hier aus direkt im Blickfeld. Ebenso den Weg hinauf, der von nun an bedeutend steiler wird. Genau genommen erklimmt man auf einer Strecke von 900 Metern knapp 340 Höhenmeter. Das letzte Stück vor dem Gipfel klettert man auf einem Geröllfeld. Rote Markierungen weisen hier den richtigen Weg. Dann ist der Gipfel des Frostadtinden auf 807 Metern erreicht.

Kurz vor dem Gipfel. Rechts sieht man den Varden

Überrascht waren wir dann aber doch, denn der Frostadtinden gilt als einer der beliebtesten Gipfel der Ålesund-Region. Und trotzdem befanden wir uns ganz alleine hier oben. Doch in einiger Entfernung konnten wir dann doch eine gröβere Anzahl an Wanderern entdecken, die an dem etwa 500m vom Gipfel entfernten Steinvarden pausierten. Alle diese Wanderer sind aus dem nahegelegenen Engesetdalen aufgestiegen. Von dort aus kann mit mit dem Auto wesentlich näher an den Gipfel heranfahren. Ein Gipfelgrat verbindet den eigentlichen Gipfel mit dem Steinvarden, so dass wir diesen nach kurzer Zeit erreichten.

Gipfelblick auf den Storfjord und die Sunnmørsalpen

Die Gipfelaussicht ist atemberaubend. Vor allem nach Westen gibt es eigentlich nichts, was den Blick einschränkt. Mit dem Ellingsøyfjord und Grytafjord im Vordergrund kann man sich recht gut orientieren. Somit sind Godøya und der Sukkertoppen leicht zu identifizieren und bei klarem Wetter – so wie am Tag unserer Wanderung – läβt es sich sogar bis hinüber zur Vogelinsel Runde schauen, die Luflinie mehr als 60 Kilometer entfernt liegt. Im Süden erkennt man den Storfjord, Sjøholt und die Sunnmørsalpen, auf denen auch jetzt, Ende Juli noch jede Menge Schnee liegt. Auch den Moldefjorden und das Ørskogsfjell bietet der Frostadtinden an. Und während wir uns normalerweise nicht allzu lange auf einem Gipfel aufhalten, konnten wir uns diesmal einfach nicht vom tollen Panorama loslösen.

Ellingsøyfjord, Grytafjord und ganz im Hintergrund die Insel Runde

Dennoch machten wir uns dann schlieβlich wieder auf den Abstieg. Auf der Südseite des Svartevatne ging es hinab. Hier waren wirklich viele Wanderer unterwegs, die aber überwiegend nach etwa 1 ½ Kilometern zu dem gut sichtbaren Autoparkplatz im Engesetdalen abbogen. Wir dagegen hatten noch etwa 2 Kilometer vor uns. Landschaftliche Highlights gab es hier nicht mehr.

 Tomrefjord und die Vard-Werft

Doch es war klar, daβ noch etwas kommen muβte, denn von den insgesamt 500 abzusteigenden Hoehenmetern war gerade einmal die Haelfte absolviert. Und so standen wir dann unvermittelt am oberen Ende einer amtlichen Steilwand. Aber auch die stellte kein unüberwindliches Problem dar, so dass wir nach knapp 5 Stunden zurück am Auto waren. Zugegeben etwas platt aber auch ohne Oberschenkelkrampf wie das blühende Leben.




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