Der letzte Saboteur

In Gedenken an Joakim Rønneberg (1918 – 2018)

Ein großer Ålesunder, norwegischer Patriot, Kriegsheld sowie vielfach geehrter und ausgezeichneter Ehrenmann ist letzte Woche im Alter von 99 Jahren verstorben. Ålesund, Sunnmøre und ganz Norwegen trauert um Joakim Rønneberg.

Es war im Februar 1943 in Vermork bei Rjukan als ein kleiner Trupp von 6 norwegischen Widerstandskämpfern im Zuge der Kommandoaktion «Gunnerside» die Produktionsanlage zur Herstellung von schwerem Wasser angriffen. Das Kraftwerk, das von der deutschen Wehrmacht im Zuge des Einmarsches in Norwegen in Besitz genommen wurde, war streng bewacht und lag dazu noch in einer nahezu unzugänglichen Gegend unweit der Stadt Rjukan. Es war zu dieser Zeit eines der leistungsfähigsten Kraftwerke der Welt und das Einzige in Europa, das eben dieses schwere Wasser in nennenswerten Mengen herstellen konnte, genauer gesagt das Isotop Deuteriumoxid (D₂O). Als sogenannter chemischer Moderator konnte schweres Wasser zur Anreicherung von Plutonium genutzt werden und somit zum Bau einer Atombombe beitragen.




Joakim Rønneberg war 1941 mit einem kleinen Fischerboot von Norwegen nach England geflohen. Dort hatte er eine umfassende soldatische Ausbildung erhalten und war dadurch in der Lage, brisante Aktionen hinter den feindlichen Linien auszuführen. Leutnant Rønneberg war Truppführer der sogenannten Kompanie Linge, die mit der Durchführung der Operation «Gunnerside» betraut war. Die hochriskante Kommandoaktion sollte die Schwerwasserproduktion des Vermork-Kraftwerks im Oktober 1943 sabotieren.

Die Fluchtroute der Kompanie Linge

Die Operation gelang, ohne dass auch nur ein Schuß fiel. Rønneberg und sein Trupp kämpften sich zwei Wochen lang durch tiefen Schnee und beißende Kälte über die karge Hochebene Hardangervidda bis hinüber zur schwedischen Grenze. Von dort aus ging es dann für’s Erste nach zurück nach England.

Fieldfarehytte

Doch Rønneberg nahm noch an einer weiteren Aktion teil. Im Rahmen der Operation “Fieldfare” wurde die Stuguflåte-Brücke der Bahnlinie von Åndalsnes nach Dombås (Raumabanen) gesprengt. Dazu verbarg er sich in einer winzigen Hütte im Tafjordfjell, die bezeichnenderweise «Fieldfare-Hytta» genannt wurde und die heute noch besichtigt werden kann.

Die Dramatik um die Operation Gunnerside wurde erstmals 1948 unter dem Titel «The battle for heavy water» oder in der deutschen Version «Kampf ums schwere Wasser» verfilmt. Kirk Douglas spielte die Hauptrolle, aber Joakim Rønneberg wirkte zusammen mit seinen Mitstreitern ebenfalls als Schauspieler am Film mit. Eine weitere Verfilmung zum selben Thema folgte 1995 unter dem Titel „Saboteure im Eis“




Rønneberg-Denkmal

Im Nachkriegs-Norwegen blieb er trotz seiner Bekanntheit ein zurückhaltender Beobachter. Doch wenn er etwas zu sagen hatte, dann wurde er auch gehört. Als Radiomoderator beim norwegischen NRK war er bis lange nach dem Krieg eine bekannte Stimme und in der Sunnmøre-Region war er als Vorsitzender des Ålesund-Sunnmøre Turistforening auch maßgeblich am Aufbau des Touristenmagneten Sunnmøre beteiligt.

Nun ist Joakim Rønneberg, der nie im Mittelpunkt stand, an dem man aber nie vorbeikam, friedlich verstorben. Aus der ganzen Welt treffen Kondolenzbekundungen ein und unterstreichen nochmals, was für ein außergewöhnlicher Mensch er war.

„Frieden und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit“ steht am seinem Denkmal vor dem Ålesunder Rathaus direkt unter seinem Namen zu lesen. Joakim Holmboe Rønneberg hat diesen Satz wahrlich vorgelebt.

Dirk, 23.10.

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