1000-jährige Überbleibsel wohin man auch sieht

Immer wieder trifft man auf sie. Manchmal sehr offensichtlich, manchmal sogar als Sehenswürdigkeit markiert, sehr oft aber versteckt und fast unsichtbar. Und auch wenn diese Hinterlassenschaften heute nur noch wenig bedeutsam sind, so sind es immer noch Relikte aus einem unrühmlichen Teil deutscher Geschichte. Die Rede ist von den Bunker- und Befestigungsanlagen der Deutschen Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg.

Die Anlagen könnten sicher viele Geschichten erzählen und tatsächlich fühle ich mich immer wieder sehr speziell, wenn ich in Bunkern und Stellungen des Krieges herumklettere.  

Unternehmen Weserübung lautete der unspektakuläre Namen der Militäroperation, mit der die Deutsche Wehrmacht eine Seeblockade Deutschlands verhindern und den Zugriff zu den kriegswichtigen Eisenerzvorkommen im Norden Norwegens sichern wollte. Norwegen pochte vor Beginn der militärischen Auseinandersetzung auf seinen Neutralitätsstatus. Aber auch England hatte die Fühler nach dem Eisenerz der Narvik-Region ausgestreckt und so war es Deutschland gelungen, den Alliierten in einer handstreichartigen Operation zuvorzukommen.

Das Unternehmen Weserübung startete im April 1940, doch erst im Juni des selben Jahres erreichten die deutschen Streitkräfte auch die Sunnmøre-Region. Unmittelbar danach begann der Bau erster Befestigungsanlagen, denn die Deutsche Wehrmacht befürchtete alliierte Landeoperationen. Im Jahr 1942 begann dann der planmäßige Ausbau des sogenannten Atlantikwalls, der sich von Nordnorwegen bis hinunter nach Frankreich zog. In Norwegen mußte dazu eine fast 5.000 Kilometer lange Küstenlinie mit Bunkeranlagen, Geschütztürmen etc. gesichert werden. Ziel war es, alliierte Angriffe mit minimalem Einsatz an Soldaten abzuwehren. Denn diese wurden an anderen Kriegsschauplätzen benötigt.

Der Schwerpunkt der Küstensicherung lag natürlich in Nordnorwegen, speziell in der Region Narvik. Aber auch in Sunnmøre befanden sich eine Reihe von Küstenbatterien, Flak-Stellungen und anderen militärischen Standorten, die noch mehr oder weniger gut erhalten bzw. sichtbar sind. In einem früheren Blogeintrag hatte ich ja bereits die deutsche Küstenbatterie auf der kleinen Insel Bjørnøya in der Haram Kommune beschrieben. Doch auch in den anderen Sunnmøre-Gemeinden hat die Deutsche Wehrmacht Spuren hinterlassen.

Das gilt natürlich vor allem für Ålesund. Die Bunkeranlagen auf dem Aksla-Berg befinden sich direkt neben der Zufahrtsstraße und sind nicht zu übersehen. Die Anlage ist jedoch noch deutlich größer, denn neben einigen verschlossenen Bunkern waren auch im Berg mehrere Munitionsdepots angelegt worden. Ein Teil dieser Depots wurden 2016 zu einem Parkhaus erweitert. 940 Parkgelegenheiten entstanden so in einer Gemeinde mit notorischer Parkplatznot. Die größte Befestigungsanlage im Stadtgebiet Ålesund befindet sich jedoch am Tueneset unweit des Aquariums Atlanterhavsparken, wo die Gebietskommandantur untergebracht war. In dem weitläufigen Gelände trifft man auch heute noch auf Laufgräben, Unterstände und Geschützstellungen erkennbar sind. Unweit dieser Stelle, am Rand des Stadtteiles Hessa, liegt das Küstenfort Stavneset mitsamt seinem beeindruckenden Ausguck unweit des Sportplatzes.

Eine ebenso eindrucksvolle wie gut zugängliche Anlage ist das Kvitneset Kystfort in der Gemeinde Hareid. Es liegt einen guten Kilometer nördlich des Dorfes Brandal. Die Anlage liegt fast idyllisch am Eingang des Sulafjordes und ist absolut erkundungswert.

Etwas weiter südlich in der Volda-Kommune befindet sich mit dem Berkneset Kystfort eine weiteres ehemaliges Kriegsdenkmal. Diese Heeresküstenbatterie entstand im Laufe des Jahres 1942 in der Nähe von Hovedbygda. Die Überreste dieses Standorts sind ebenfalls noch gut erkennbar.

Åram, Kobbervik, Dragsund, Tøsse, Roald, Kverve oder das Kriegsgefangenenlager Saltre bei Volda sind weitere Beispiele für Hinterlassenschaften der Deutschen Wehrmacht und Mahnmale von Krieg und Zerstörung.

Sunnmøre wurde vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Glücklicherweise, kann man sagen. Dennoch gab es auch hier zahlreiche Opfer, denn viele junge Männer waren im Widerstand oder unterstützten die alliierten Truppen in verschiedenen Frontbereichen. Die Ehemaligen Küstenbatterien gelten heute vielfach als Kulturdenkmal. Sie bleiben hoffentlich auch Mahnmal und Gedenkstätte gegen Krieg, Vertreibung und Unrecht.

Dirk, 13.09.2018




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