Freiheit ohne Begrenzung??

Das Thema des heutigen Blogeintrags betrifft nicht ausschließlich die Sunnmøre-Region, sondern kann auf ganz Norwegen bezogen werden.

Ruhe und Entspannung, Naturerlebnis und Entschleunigung. Das sind wohl die wesentlichen Beweggründe, die Touristen aus aller Welt Jahr für Jahr in ihrem Norwegenurlaub suchen und im Normalfall auch finden. Für Partytouristen oder Sonnenanbeter gehört Norwegen jedenfalls nicht zur bevorzugten Urlaubsregion. Vor allem für Wohnmobil- bzw. Wohnwagentouristen aber zählt gilt Norwegen zum Urlaubseldorado schlechthin. Es ist tatsächlich das einzige Land, in dem freies Campen zumindest toleriert wird. Und das noch in Verbindung mit einer fast nicht existierenden Kriminalitätsrate. Insbesondere das westnorwegische Fjordland erfreut sich in dieser Gruppe einer großen Beliebtheit, denn es finden sich unglaublich viele einsame Fleckchen mit atemberaubender Aussicht, die zum verweilen bzw. Übernachten einladen.

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Gerade in diesem Sommer allerdings wird das freie Campen sehr intensiv genutzt und das sorgt bisweilen für Unmut bei der Lokalbevölkerung. Laut dem norwegischen Fernsehsender NRK hinterlassen dabei mehr und mehr Besucher deutlich sichtbare Spuren in Form von Abfall und Exkrementen. Der NRK-Bericht stellt ausdrücklich klar, daß es sich bei den Tätern hierbei keinesfalls mehrheitlich um ausländische Touristen handele. Vor allem seien es junge Wohnmobilreisende, die es mit dem Umweltschutz mitunter nicht so genau nehmen, denn es seien vorwiegend Reisende zwischen 20 und 30 Jahren, die die Vorschriften des «Friluftsloven» mißachteten.

Dazu kommt, dass es gemäß der Zeitung Sunnmørsposten immer häufiger vorkommt, dass Verbotsschilder schlichtweg ignoriert werden. All das schafft eine Diskussionsgrundlage, die den Befürwortern einer strengeren und klareren gesetzlichen Regelung rund um den Aufenthalt in der Natur jede Menge Nahrung bieten.

Im Zusammenhang mit dem freien Campieren wird immer wieder auf das sogenannte «Jedermannsrecht» verwiesen, welches den Aufenthalt in der Natur regelt. Basierend auf einem uralten Recht, dem «Allemannsretten», ist es erlaubt, außerhalb kultivierter Flächen (norwegisch: «Utmarka») zu zelten. Natürlich unter der Voraussetzung, dass die Natur dabei nicht geschädigt bzw beeinträchtigt wird. Das sogenannte “Friluftsloven”, dessen zentraler Bestandteil das Jedermannsrecht ist, verweist allerdings ausdrücklich darauf, daß es an Wanderer, Radler, Paddler und Reiter gerichtet ist. Es gilt somit nicht für motorisierte Reisende. Andererseits aber erlaubt das norwegische Straßenverkehrsrecht das nächtliche Parken entlang öffentlicher Straßen. Dabei gehen die Meinungen komplett auseinander, ob dieses Parkrecht auch eine Übernachtung im Wohnmobil gestattet. Auch auf Druck der Tourismusindustrie hat sich seit Jahren die Vorgehensweise etabliert (und bewährt), das freien Campen zu tolerieren und die Gesetze so zu belassen, wie sie gerade sind.

Die Norweger selbst lieben das Leben draußen in der freien Natur, denn es gehört zur Kultur der Menschen hier. Bei meinen geführten Touren mit Touristen höre ich oft, wie ausgeglichen und entspannt die Menschen hier seien. Wer einmal erlebt hat, wie sich eine Zeltübernachtung weit weg der nächsten Ortschaft anfühlt oder wer schon mal bei einen einsamen Sonnenuntergang einen Kaffee mit Wasser aus dem benachbarten Bergsee genossen hat, weiß warum.

In einer Welt, die immer hektischer wird, wäre es wirklich bedauerlich, wenn einige Wenige durch ihr Verhalten diese in der Welt so gut wie einmalige Art des Naturerlebnisses einfach so unmöglich machen.

Dirk, 30,07.2018




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